erschienen in der Burger Volksstimme, 31.12.25/01.01.26

Hatten Sie am letzten Silvesterabend auch Vorsätze? Diese sind bestimmt mit der ersten Rakete verpufft. Doch über das Jahr hinweg haben wir gemerkt, dass Vorsätze und Vorsatz nahe beieinander liegen.
Mit Vorsatz ist in den Vereinigten Staaten von Amerika Donald im Januar zurück an die Macht getrumpelt. Und seitdem bleibt kein Stein mehr auf dem anderen, ob nun beim weißen Haus oder in der globalen Ordnung. Werfen Sie die alten Atlanten weg, denn der Golf ist nun amerikanisch und die Grönländer brauchen wohl bald einen neuen Pass. Oh, wie schön ist Panama.
Das hatte sich in 2025 auch die Ampelkoalition gedacht, nachdem ihr der gelbe Strom ausging. So mussten wir im winterlichen Februar trauernd zur Urne schreiten. Und ohne jeglichen Vorsatz verschwanden die Liberalen aus dem hohen Haus und ein neues Bündnis kam erst gar nicht rein. Trotz Protest gab es keine Neuwahl, aber eine Gutschrift von 4277 Stimmen. Das sind bei PayBack fast 43 € und damit kann sich die scheidende Vorsitzende zumindest ein Latte Macchiato mit Goldstaub leisten. Knapp daneben, ist halt auch vorbei.
Das dachte sich im Mai auch der olle Fritze. Mit dem Vorsatz „Doppelt hält besser“ ließ er sich zwei Mal wählen und kann nun als Kanzler mit knapper Mehrheit aufblühen. Und Stilblüten gibt es seitdem eine ganze Menge. Die Frage ist dabei, ob sie unser Stadtbild wirklich verschönern. Auf jeden Fall wird es dadurch ins rechte Licht gerückt. Merz möchte halt politisch glänzen, aber es bröckelt nur der Kitt aus den Rissen der Gesellschaft.
Papst Franzikus war da viel pragmatischer. Mit Vorsatz blieb er einfach am Ostermontag länger liegen, obwohl die Auferstehung dran gewesen wäre. Irren ist halt menschlich sprach der Hahn und trat die Ente. Doch schon im Mai stieg weißer Rauch auf. Donald Tr . . . ach ne, Robert Francis Prevost wurde als erster US-Amerikaner zum neuen Pontifex gewählt als Leo XIV. Mal sehen, ob das katholische Oberhaupt am Ende nicht als Bettvorleger endet.
In Armut wird dies wohl nicht passieren. Dagegen lebt in Burg bekanntermaßen das Feuerwehrhaus von der Stütze. Umso verständlich, dass seit dem Sommer alle Feuer und Flamme sind. Im Juni wurden nämlich vorsätzlich unschuldige Spaten durch die Innenministerin in den Boden gerammt als Zeichen dafür, dass nun keiner mehr den Schwanz einzieht.
Und während sich die einen auf einen Einzug im Jahr 2027 freuen, zog es die anderen wieder aus der Stadt. Schnelles grünes Internet wurde der Bürgerschaft vorsätzlich versprochen, doch diese blumigen Pläne haben sich in ein ökonomische Schneckenhaus zurückgezogen. Daher sollte lieber in Zucht von Brieftaube investiert werden, denn diese sind seit Jahrhunderten sehr verlässlich.
Bei solchen Vorbildern flüchtet unser Haseloff lieber in den vorgesetzten Ruhestand. Er möchte seine Pension in Wittenberg genießen. Da ist zwar nicht gut Kirschen pflücken, aber bald lecker Erdbeeren essen und zur Not kann man immer noch auswandern. Als Spitzenkandidat ersetzt ihn Sven Schulze. Ein Kronprinz ohne jeden Glamour. Früher war halt mehr Lametta und die Handküsse waren eleganter. Aber bestimmte Themen kommen in einem Jahresrückblick immer zu kurze.
Politisch war 2025 weniger ein Jahr der neuen Ideen als der neuen Verpackungen. Vorsätze wurden formuliert, Positionen weichgezeichnet und Farben neu sortiert. Braun verschwand nicht, es wechselte nur den Farbton. Der Anstrich ist neu, doch der Lack schon alt.
Dafür sind in Sachsen-Anhalt aber seit September die Weichen auf rot gestellt – zumindest, was die Bahnstrecken betrifft. Die Erkenntnis des Jahres: Stellwerke sind brennbar. Über ein Jahr soll der Wiederaufbau dauern, vermutlich werden die Ersatzteile mit der Deutschen Bahn angeliefert. Aber dieses Ereignis macht uns eines klar: Sachsen-Anhalt bleibt das Bundesland mit der größten Dichte an UNESCO-Welterbe – und der geringsten Dichte an Anschlusszügen.
Am Ende bleibt nur der Vorsatz: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Im schlimmsten Falle ist sie aber schon am 9. Mai gegangen. An diesem Tag verstarb Margot Friedländer und das bestimmt ohne jeglichen Vorsatz. In diesem Sinne vielleicht doch ein Ansinnen für das neue Jahr: „Seid menschlich“.

