[25.Programm]

„Fairhandlungssache“

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“, heißt es, doch das berührt die wenigsten, denn die Würde ist relativ und wird allzu oft veräußert – vom Menschen selbst oder von anderen. Das ist fair-handelbar. So bleibt Justitia nichts, außer wegzusehen. Und dann wird in Fair-Handlungen geurteilt, dass ein Mann in Serbien Massenmorde verantworten kann und in Den Haag dennoch freigesprochen wird. Fairness hat wenig mit Gerechtigkeit zu tun, sondern mehr mit Gefühl, denn die Sache an sich interessiert doch scheinbar keinen. Und Sachlichkeit erst recht nicht, die wäre nämlich fair und ist damit nicht fair-mittelbar. Wie die Politik.

 

Das menschliche Sein ist eine Welt der Kompromisse. Alles ist Fairhandlungssache – selbst, wer welche Hälfte des aufgeschnittenen Brötchens bekommt. Blöd nur, wenn Marmelade drauf ist und sie genau mit dieser Seite auf dem Boden der Tatsachen landet. Da reagiert man dann schon mal ein wenig angeschmiert – dumme Sache. Und die Angeschmierten werden nie wirklich sauber. So ist die Bildung eines Kindes auch heute noch vom Einkommen der Eltern abhängig. Da kann man sich fair-bessern wie man will, die Standesschranke bleibt geschlossen.

 

Was soll man machen? Das Handeln fällt schwer. Und wer sagt, dass der Handel gerecht zugeht? Mit dem Wohlstand ist es daher immer so eine Sache. Daher wird den meisten die Chance auf Wohlstand fair-weigert. Ist uns doch egal. Wir leben auf der richtigen Seite des Planeten. Der große Rest schuftet für den Wohlstand, den wir besitzen. Wir können uns vor der Glotze über Olympia freuen, während die armen Schweine der Favelas dumm aus der Wäsche gucken. So schmiedet der olympische Geist aus bunten Ringen die Fußketten der Arbeiter, die im Auftrag der Unterhaltung neue Stadien schippen. Brot und Spiele. Zumindest für die westliche Welt. Und wieder lernen wir: Die Rechnung zahlen immer die, die es nicht verdienen.

 

Das ist nicht fair! Oder doch? Den Menschenverstand muss man eben nicht unbedingt fair-stehen, denn das hat alles nichts mit nichts zu tun. Am Ende steht wohl fest, dass das Fairste doch der Zufall ist, während Moral und Ethik im Wettstreit von Macht und Gier zu Fall gebracht werden. Der Zufall schafft die Bedingungen, die wirklich fair sind. Aber beeinflussen kann man ihn nicht. Und das ist doch irgendwie nicht fair. Also ist das Leben doch Fairhandlungssache?

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