Plakat_23

[23.Programm]

„Bringt Schilder mit!“

 

Und sie bewegt sich doch! Für diese Erkenntnis stritt einst ein kluger Mann und beschrieb eine kleine Runde, die um eine große, heiße Masse kreist. Daraus wurde ihm aber sehr schnell ein Strick gedreht, weil nicht sein konnte, was nicht sein durfte. Heute bewegt sich die große Masse – auf den Straßen unserer Städte und verbreitet ihrer Energie. Und das lautstark.
Wie immer gilt: Recht hat, wer am lautesten ruft. Doch wer hört eigentlich zu? Somit dreht sich heute wie damals alles um die wahrhaftige Wahrheit. Nur eben anders. Wenn die Masse erst in Schwung kommt, kommt sie selten zum Punkt. Aber woher kommt die Energie, die immer neue Eruptionen der Empörung auf die Straße treibt? Wahrscheinlich aus dem schwarzen Loch – im Zentrum der Republik. Wo nichts ist, kann viel entstehen. So entspringt etwas aus niedrigen Häusern dumpfer Gemächer und drängt sich auf die Straßen quetschender Enge und steht. Und der Beobachter hinter der Gardine fragt sich nur, ist das noch ein Volk oder schon DAS Volk?

Wie gut, dass sie ihre Meinung oftmals sichtbar auf Transparenten vor sich hertragen – auch wenn die Botschaften manchmal undurchsichtig scheinen. Zumindest vergessen so die Mitläufer nicht, warum sie auf den Beinen sind. Doch lässt sich an ihrer Orientierung zweifeln. Der Nahe Osten bietet sie derzeit jedenfalls nicht. Aber Bewegung ist immer eine Frage der Perspektive und so liegt Dresden im ziemlich nahen Osten. Und vor allem hier gilt: Je größer die Masse, desto größer die Anziehungskraft. Und so wächst er stetig, der kollektive Schilderwald. Doch ist dieser Forst kein Mischwald, denn es kann nur eine Wahrheit geben. Und wie es in den Wald hineinruft, so schallt es wieder hinaus. Wie gut, dass die Hilferufe aus dem Mittelmeer nicht bis zu uns reichen. Und wenn die andern „Oxi“ rufen, sagen wir nur „Geh’n!“ Und so entsteht ein saurer Stoff, der den Geist Europas schwer vergiftet.

Aber die Gedanken sind frei und so lässt sich auch ein Schild nicht in Geiselhaft nehmen. Wurde die Demokratie früher noch mit Schwert und Schild am Hindukusch verteidigt, reicht uns heut das Schild an der Heimatfront, um selbiges zu tun. Und endlich geht ein Ruck durch Deutschland. Aber viele wünschen sich, dass dieser ruckzuck wieder in der Sitzkuhle des heimischen Sofas endet. Eine Bewegung ist eben oft eine Fahrt im Kreis. Und am Ende ist allen so schwindelig, dass das Kollektiv torkelnd in die Ecke bricht. Doch lieber in den Zwickel als mit den Prinzipien brechen. Letztlich heißt es immer wieder: Bringt Schilder mit!

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